Entwicklungsorientierung in der KJP

 

 

Kinder sind als unreife Persönlichkeiten entwicklungsbedingt in ständiger Veränderung begriffen und ihre besondere Erlebnis- und Bedürfnislage variiert je nach Entwicklungsalter. Jede Altergruppe weist mithin biologische, kognitive, emotionale und kontextuelle Besonderheiten auf, hat unterschiedliche Entwicklungsaufgaben zu leisten, anderen Umwelterwartungen zu genügen und zeitigt unterschiedliche, meist passagere Entwicklungsrisiken und -krisen. Sie geben die Folie ab für angemessene diagnostische Einschätzungen und psychotherapeutische Interventionen: Einnässen bei einem Dreijährigen z.B. ist normal, bei einem 13jährigen ein Problem, bei einem 8-jährigen nach Traumaerfahrung wiederum normal, wenn es vorübergehend bleibt.

 

 

Den Weg und einen Ort finden.

Normalerweise wird der Kinderpsychotherapeut in seiner alltäglichen Praxis mit sehr unterschiedlichen Entwicklungsebenen konfrontiert: Vom beziehungsangewiesenen Säugling, wo Regulation und Dialog drohen zu entgleisen, über das schulverweigernde und aggressive Kind, den drogenkonsumierenden delinquenten autonomiesuchenden Adoleszenten bis zu den besonderen Problemen des Übergangs in Er-wachsensein und Elternschaft. Immer wieder ist ein entwicklungsbezogenes Vorgehen, eine entsprechend veränderte Ausgestaltung des Umgangs, der Beurteilung und der Behandlung gefordert.

 

 

 

Ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut muss auch wissen, dass Kinder eine eigene Sprache sprechen, die Erwachsenen, auch Psychotherapeuten, oftmals abhanden gekommen ist: ein Kind macht sich, könnte man sagen, ‚seinen eigenen Reim’ auf das, was ihm widerfährt, oft weitab jeglicher sachlichen ‚vernünftigen’ Überlegungen. Es schafft sich einen eigenen, oft magisch inspirierten ‚Sinn’ für alles, was um es herum passiert, was in ihm vorgeht und was es aktiv tut.

„Die wollten ein neues Baby, weil ich so schrecklich bin!“ – oder nach einem Unfallgeschehen: „Ich hab’ das angerichtet. Es hat nur noch keiner gemerkt!“ ist so ein Satz und zeigt wie ein Kind Erlebtes interpretiert. Eelche Folgen das dann psychisch hat, hängt neben dem Einzelfall und den situativen Bedingungen vor allem vom jeweiligen Entwicklungsstadium des Kindes und seinen Rahmenbedingungen ab.