Gestalten, Inszenieren und Spiel statt Sprache

 

Erwachsene vertrauen viel zu sehr auf das Wort. Im Gegensatz dazu berichten Kinder – und oft auch Jugendliche – wenig über sich selbst, ihre Befindlichkeit und ihre Beziehungsprobleme. Fragt man Kinder, wie es ihnen geht, antworten sie in der Regel: „gut!“ – Infolge ihrer geringeren Reflexions- und Verbalisationsfähigkeit stehen ihnen zunächst nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Selbstschilderung und damit der Beschreibung ihres inneren Erlebens, sowie der Selbst- und Fremdbeobachtung zur Verfügung.

Wer das Feld beherrschen will, braucht Muckis!

Überdies repräsentiert Sprache für Kinder immer auch die Überlegenheit und Erwartungshaltung der ‚Großen’, erinnert sie an ihre Unterlegenheit provoziert eher Gefühle von Minderwertigkeit und entsprechende Abwehrbewegungen. Das Vertrauen auf den verbalen Austausch kann dann zum überfordernden Stolperstein der Kinderpsychotherapie werden. Das macht die psychotherapeutische Sache schwierig. Denn meist kann man auch äußerlich nicht ablesen, was die Kinder innerlich beschäftigt.

Man kann nun beklagen, aber man kann sich auch gezielt zunutze machen, dass Kinder ihr Äußerungen nicht in Worten, sondern in Form von Bildern, Inszenierungen und Handlungen ausbreiten. Bewegung, Inszenierung und Handeln ist bei Kindern kein Symptom, sondern ein Normalphänomen! Ihr Tun entfaltet sich entweder unmittelbar in der Beziehung zum Therapeuten oder auf analoger Ebene in Kreationen und im Spiel. Auf Therapeutenseite verlangt das konkrete körperlich-sinnliche Präsenz und symbolisches Verstehen. Kinderpsychotherapie bedeutet demnach, sich auf diese nonverbale Dimension überhaupt, auf das kindliche Erleben und seine Symbol- und Handlungssprache im Besonderen im Hier und Jetzt der Begegnung einzulassen, um sie ‚auf den Begriff’ bringen, und so kommunizierbar werden zu lassen.