Gruppensupervision

Ich halte die Gruppe im Falle der Supervision für einen sehr ergiebigen Rahmen.
Einmal kann man viel voneinander und vom Fallmaterial der Kollegen lernen. Zum anderen spiegeln sich in der Gruppe über unterschiedliche Identifikationen oft verschiedenste Aspekte des Falles, die so erlebbar und reflektierbar werden.
Hier liegt aber auch die Krux, und der Supervisor sollte gewappnet sein. Manchmal ist kaum noch zu unterscheiden, ob man es mit ernst zu nehmenden Beiträgen zum jeweiligen Fall und mithin zur indizierten Klient-Therapeut-Beziehung zu tun hat, oder ob Fallaspekte von den Teilnehmern agiert werden, oder ob gerade gruppendynamische Prozesse zwischen den Teilnehmern selber ablaufen, zum Beispiel uneingestandenes Rivalisieren, entwertendes Ausgrenzen usw. Manchmal muss der Not gehorchend eine Art Gruppenpsychotherapie der Supervisanden zwischengeschoben werden, damit die Gruppe wieder arbeitsfähig wird.

Ähnlich wie in der Einzelsupervision, wo immer auch mal wieder Persönlichkeitsaspekte des Teilnehmers in Bezug auf die Fallarbeit thematisiert werden, ohne dass alles in Selbsterfahrung mutiert, steht auch in der Gruppe mal der Einzelne im Fokus. Nur muss er belastbarer sein, denn das geschieht ja unter den Augen aller. Das Besondere der Gruppe ist folglich, dass der Supervisor, neben der Obacht auf den Einzelnen, auf das Fallmaterial und seine Darbietung, immer aufmerksam bleiben muss für das beziehungsdynamische, manchmal auch systemische Geschehen in der Gruppe. Er muss genau achtgeben, was zwischen seinen Teilnehmern geschieht, was sie hinaustragen, wo sie mauern, und er muss immer wieder diese Prozesse offen legen, um sie gemeinsam zu verstehen und durcharbeiten zu können, damit die Ergebnisse und Einsichten im guten Fall wieder in das Material des vorgestellten Falles zurückgespeist werden und neue Einsichten ermöglichen können.

Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung dürfen die Supervisionsgruppen nicht mehr als 4 Teilnehmer umfassen.
Die kollegialen Supervisionsgruppen, die ich z.T. seit vielen Jahren supervisorisch betreue, haben in der Regel 6-8 Teilnehmer.
Ich selber nehme regelmäßig an einer kollegialen Intervisionsgruppe teil.