Kinder als „widerspenstige Patienten“

Wer psychotherapeutische Hilfe aufsucht, befindet sich in einer psychosozialen und/oder seelischen Notlage, die Leiden hervorbringt. Bei Kindern findet sich als Besonderheit, dass es in vielen Fällen das Umfeld ist, das sich sorgt und leidet. Die Kinder selbst zeigen oft wederKrankheitsbewusstsein noch Leidensdruck. Ihnen fehlt folgerichtig in vielen Fällen auch der definitive Wunsch, etwas zu verändern. Eher wollen sie in Ruhe gelassen werden.

 

In uns sammelt sich ganz viel Wut!

Kinder kommen daher in der Regel auch nicht aus freien Stücken in Behandlung. Sie werden überwiesen: Oft sind es Kindergarten, Schule, Ärzte, die aktiv werden. Oder die Kinder kommen ‚im Schlepptau’, meist ihrer Mütter und fühlen sich in vielen Fällen geschickt: „Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Meine Mutter will, dass ich komme.“ Was oft nicht weniger heißt als: ‚Ich will mit dem Ganzen hier nichts zu tun haben!’

Es liegt auf der Hand, dass es sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei Kindern, vor allem zum Beginn, in der Regel um höchst widerspenstige bis widerwillige Patienten handelt. Manchmal dauert es lange, bis ein Kind ‚auftaut’, was noch nichts über seine Therapiefähigkeit aussagt und auch noch nichts über die Fähigkeit oder Unfähigkeit des Kindertherapeuten. Aber es kann über Gelingen oder nicht Gelingen einer Therapie entscheiden, ob es gelingt, ein Kind zu ‚gewinnen’ oder nicht.

Dies gilt vor allem für Kinder, die aufgrund ihrer psychosozialen Belastungen grundlegend verunsichert sind, oder solche, deren ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Erwachsenen und der Welt bereits eine ‚innere Kündigung’ nach sich gezogen hat, sodass es extrem schwierig ist, ihr Vertrauen zu gewinnen. In solchen Fällen bedarf es ganz besonders sorgfältiger Kontaktgestaltung und viel Geduld.

Daher ist es besonders in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wichtig, einen therapeutischen Beziehungsraum, eine Atmosphäre anzubieten, in der der Patient auch mit seinen Problemen Zuwendung, freundliches Interesse und Unterstützung erfährt. Der Raum und die Begegnung sind so beschaffen, dass die äußere ebenso wie die innere Welt des Kindes bzw. des Jugendlichen lebendig, zunehmend sichtbar und damit gemeinsam erlebbar wird, sodass eine Vertrauensbasis und Hoffnung eine Chance bekommen, als mögliche Ausgangspunkte für Veränderungen.