Psychoanalyse

 

Psychoanalytische Psychotherapie beschreibt demgegenüber eine umfassendere Problembearbeitung. Meist trifft man sich zweimal bis dreimal die Woche zu festgelegten Zeiten. Beantragt werden auch entsprechend mehr Stunden. Meist bewegt sich der Erstantrag einer solchen Langzeittherapie nach intensiver diagnostisch-probatorischer Phase bei 70 Stunden für ein Kind, und bei 90 Stunden für Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Vogelmutter bringt den Regenwurm

Analytische Psychotherapie kommt zum Einsatz, wenn der Patient das gezielte Vorgehen in der fokussierenden tiefenpsychologisch begründeten Arbeit nicht leisten kann, wie es z.B. bei Menschen der Fall ist, die sogenannten ‚seelischen Traumatisierungen’ ausgesetzt waren. Psychoanalytische Therapie ist auch dann angezeigt, wenn die Störungen, die Beschwerden und Krankheitssymptome in einer umfassenderen Weise an innerseelische Konfliktkonstellationen geknüpft sind; weil eine Fokussierung z.B. nicht möglich ist, weil die seelischen Probleme schon so fest in der Persönlichkeitsstruktur des Patienten verwurzelt sind, oder weil es um eine besonders schwerwiegende, komplexe oder eine ausgeprägt chronifizierte Störung geht.

Die Patienten werden aufgefordert im geschützten Raum der Behandlung unzensiert und so freimütig wie möglich alles kund zu tun, was ihnen in den Sinn kommt, sei es verbal, oder indem sie aufzuschreiben, malen oder spontan spielen. Der Psychotherapeut arbeitet zurückhaltend vor allem beobachtend-sammelnd, um die sich so äußernde Abfolge von thematischen, szenischen und spielerischen Themen- und Problemkonstellationen nicht zu stören, die sich erfahrungsgemäß zu einem ‚roten Faden’ verdichten, der immer näher an die entscheidenden inneren Problem- und Konfliktfelder heranführt. Dieser Prozess der ‚Regression’, des Verzichts auf normal angemessene Steuerung und Kontrolle, der zu einem allmählichen Sich-heran-Tasten und Verdichten an die ‚brenzligen’ tiefliegenden Geschichten führt, ist für die Patienten manchmal extrem anstrengend und fordert Widerstand heraus. Denn auch sie selbst müssen ‚ungeschminkt’ mit ihren inneren Ängsten, Schamgefühlen oder unangenehmen Affekten wie Wut und Neid auseinandersetzen.

Während in der Erwachsenenpsychotherapie am besten ‚die Couch’ diese Prozesse unterstützt, weil sie eine gute Entspannung ermöglicht und vorübergehend den Therapeuten im Sinne einer bewertenden Instanz vergessen lässt, ist die Couch bei Kindern verständlicherweise kein Mittel der Wahl! Essei denn als ein ‚Knuddelsofa’, auf dem können die Kleinen dann kuscheln und herumturnen. Manche Jugendliche legen sich oft von selbst hin, andere brauchen den Blickkontakt, die Orientierung im Gesicht der Therapeutin, vor allem in ihren Augen.

Auch in der Psychoanalytischen Therapie geht es darum, dass z.B. Selbstkonzepte, – meist handelt es sich um negativ getönte Grundannahmen über sich, die Ursache tiefer Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch ständiger Selbstüberforderung sein können, – sich im Rahmen der therapeutischen Beziehung auf den bereits beschriebenen Ebenen wieder auflegen: „Was auch immer ich tue, ich bin eh nicht zum Liebhaben!“ – Das Gleiche hat ein adoptiertes Kind, imaginativ und malend in einer Geschichte von der „Müllhalde“ entwickelt: Eine alte Matratze wird auf der Müllhalde abgeworfen und darauf rumgetrampelt!

Dieses intensive ‚nochmalige’, vielleicht erstmalig bewusste Erleben der eigenen inneren Nöte und ihrer Entfaltung gegenüber dem Psychotherapeuten, bietet eine einzigartige Möglichkeit, diese belastende Seite des eigenen Seins kennen zu lernen, so belastent diese Prozess wegen seiner Hoffnungslosigkeit, seiner emotionalen Schwere oder Heftigkeit manchmal ist. Ziel ist es, dass sukzessive, über Wiederholungen im Beisein  des Therapeuten getragen von seiner Akzeptanz und Billigung ein innerer Platz auch für ein bis dahin Verpöntes zu schaffen, sodass das wie immer auch Bedrohliche seine (unbewusste) Macht verliert. Vielleicht erlaubt die neue Perspektive und das veränderte Erleben ja sogar positive Deutungen und Selbstannahmen, mittels deren alles  ‚überschrieben’ werden und zu einer ‚Lebenskraft’ werden kann.