Psychotherapie hat eine lange Geschichte

 

Wann immer Menschen in seelischen Nöten waren, wenn Hass oder Ängste, wenn innere Konflikte, Stimmen oder Wahnideen sie quälten, und drohten, sie aus der Bahn zu werfen, suchten sie die Hilfe erfahrener, ‚weiser’, einfühlsamer Ratgeber. Mit Schamanen, Priestern, Magiern, Rabbis, Astrologen oder den ‚weisen Frauen’ hat der Beruf des Psychotherapeuten viele ‚Vorläufer’. Sie verfügten über ein für die anderen unzugängliches und deshalb ‚geheimes’ Wissen, und ihre Methoden und Praktiken grenzten oft buchstäblich an Zauberei:

Die Bibel, Märchen und Sagen geben uns ein Bild solcher ‚Wunderwerke’. Die frühen Helfer deuteten Träume, verabreichten Heil- und Zaubermittel gegen alle Arten der Seelenpein, und auch Hypnose und Trance waren verbreitet. Nicht alles war hilfreich. In vielen grausigen Methoden spiegelte sich die Angst der Menschen vor den ‚Ver-rückten’, und diese magischen und dunklen Zeiten färben unser Bild der Psychotherapie bis heute ein.

Sonnige und traurige Tage

Es blieb eine mehr oder weniger diffuse Angst vor dem Innenleben, dem was man Seele nennt. Sigmund Freud und andere Pioniere griffen besonders die herausragende Rolle der Kindheit für die Persönlichkeitsentwicklung auf und leiteten daraus ab, dass die soziale Einbindung des einzelnen in Gemeinschaften, seine Anerkennung durch Andere und ihre Resonanz von entscheidender Bedeutung für die seelische Gesundheit sei.
Die Psychoanalyse, als eine erste Form systematischer Psychotherapie, hat seitdem viel Widerspruch herausgefordert und viele Ergänzungen, Revisionen und Widerlegungen erfahren.

Zwei weitere wesentliche Entwicklungen haben das heutige Gesicht von Psychotherapie entscheidend mitgeprägt:
die pragmatische Verhaltenstherapie, aus der akademischen Psychologie kommend und auf Lerntheorie aufbauend; und
die Humanistischen Verfahren, wie die Gesprächspsychotherapie, Gestaltpsychologie u.a., die die Selbstverwirklichung ebenso wie die Selbstheilungskräfte des Menschen in den Mittelpunkt stellten und sich als dritter Weg empfahlen.

Lange Jahre währte ein erbitterter Streit zwischen diesen Schulen. Heute beginnt man, alles differenzierter zu sehen und verzichtet (hoffentlich!) zunehmend auf traditionelle Polarisierungen, die geeignet sind, andere Verfahren in Misskredit zu bringen. Tatsächlich empfiehlt es sich, auf eine solcherart konkurrenzhafte Betrachtung zu verzichten, da die unterschiedlichen Verfahren nur bedingt vergleichbar sind, weil jedes auf seine Art unterschiedliche Aspekte des Seelischen aufgreift und Unterschiedliches bewirkt.

Familientherapie und systemische Therapie, die nicht mehr nur das einzelne Individuum zum Gegenstand ihrer Behandlung machen, erweiterten schließlich das Methodenspektrum ins soziale Umfeld.