Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

 

Vor allem in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, die an aktuellen Verursachungen des Krankheitsgeschehens anknüpft, findet eine Konzentration des Behandlungsprozesses auf bestimmte umschriebene symptomrelevante Verursachungsbereiche statt, was von den kleinen und großen Patienten eine Fähigkeit zur aktiven, entschlossenen und zielstrebigen Mitarbeit verlangt, also eine bestimmte Reife und vro allem Beziehungs- und Bindungsfähigkeit. Der Behandlung vorgeschaltet ist in der Regel eine intensive diagnostisch-probatorische Phase, in der dieser Behandlungsfokus erarbeitet wird. So kann z.B. insbesondere der Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen) und Beziehungsproblemen (z.B. Mobbing in der Schule; Geschwisterproblematik zuhause) in den Blick genommen werden, um aus der Analyse für die Beziehungsprobleme gemeinsam neue und bessere Lösungen zu finden.

Wenn ich M. fangen will, brauch‘ ich eine Falle!

Die Kinder kommen in der Regel einmal in der Woche zu ‚ihrer’ 50-minütigen Therapiesitzung, immer am gleichen Tag, immer zur gleichen Stunde. Therapeut und Patient bewegen sich in der Regel im Hier und Jetzt der Beziehungen: was spielt sich zwischen Psychotherapeut und Kind ab; was spielt sich in den Beziehungen im Spiel ab; welche Themen aus den Beziehungen außerhalb, also im Elternhaus, Kindergarten, Schule oder Gleichaltrigengruppe teilen sich in der Therapie verbal oder nichtverbal mit. Die Beziehung zur Therapeutin funktioniert sozusagen als beispielhafte Wiederholung für all das, was sich auch und oft unbemerkt in den anderen Beziehungen abspielt und was vom Patienten vielleicht gar nicht wahrgenommen oder benannt werden, von der Therapeutin nun über Miterleben aber ‚abgelesen’ werden kann.

Es ist also keinesfalls so, dass in psychoanalytisch begründeten Behandlungen immer über die Vergangenheit oder gar die Kindheit geredet wird! Obwohl das z.B. vielen Jugendlichen sehr recht ist, die sich leichter tun, über Beziehungsprobleme aus ihrer Kindheit zu erzählen, als sich ihrer selbstverletzenden Promiskuität oder ihren Beziehungsängsten im Hier und Jetzt zuzuwenden. Ziel psychosynamischer Arbeit ist, mit den Kindern und Jugendlichen wieder zu erleben und zu bedenken, wie die bisherige Lebenserfahrung, wie Wünsche und Befürchtungen im Kontakt zu anderen reaktualisiert, das eigene Erleben und Handeln ebenso wie das eigene Selbstbild beeinflussen und prägen. Auf diese Weise wird der Patient darin unterstützt, sich selbst besser wahrzunehmen, vor allem eigene Gefühle und Affekte ebenso wie die der anderen zu erkennen, ernst zu nehmen und in sein Handeln angemessener einzubeziehen.